Bereiterin und Pferdephysiotherapeutin – warum diese Kombination

 

Als gelernte Bereiterin bin ich seit 1993 im Beruf der Bereiterin tätig.

Meine Bemühung als Bereiterin ist, jedes Pferd entsprechend seiner Möglichkeiten zu fördern, egal, ob das ein Turnier,- oder ein Freizeitpferd ist.

Auch, wenn nicht jedes Pferd mit einem optimalem Gebäude ausgestattet ist, sollte der (Be)reiter bemüht sein, das Pferd in seinen Möglichkeiten bestmöglich zu fördern und unterstützen ohne es durch falschen Ehrgeiz zu überfordern.

Nicht jedes Pferd wird es in den Sport schaffen, kann aber auch mit weniger Potential ausgestattet ein toller Freizeitpartner für seinen Reiter sein.

Es ist nicht wichtig, ob ein Pferd im Sport, egal in welcher Sparte, geht, mit dem Reitanfänger/ Wiedereinsteiger Reitstunden absolviert oder nur ins Gelände geht, gesund und beweglich muss es für alle Anforderungen sein. Selbst ein Rentnerkoppelpferd muss körperlich so fit gehalten werden, dass es sich in der Gruppe wohl fühlt und nicht durch Beeinträchtigungen an Lebensqualität verliert oder gar in der Gruppe Schwierigkeiten bekommt.

Das sind wir den Pferden als Besitzer schuldig, dass wir aus ihren Lebensumständen, die sich das Pferd nicht selbst ausgesucht hat, das Beste machen.

In meinen  30 Jahren als Berufsreiter begegneten mir aber auch sehr viele Pferde, mit unerklärlichen Problemen.
Tierärztlich sind sie oft untersucht und es wurde nichts gefunden. Trotzdem ist das Gefühl des Reiters  nicht so, wie es sein sollte.

Der Ansatz war oft schwierig. oft standen wir vor der Frage: ” Wer kann uns helfen und vor allem, wann bekommen wir jemand her?”

Als Bereiter hätte ich oft gerne noch besser unterstützend eingewirkt, wenn ich merkte, dass ein Pferd eigentlich will aber nicht kann. Dafür fehlte mir aber das physiotherapeutische Wissen und einen Therapeuten herzubekommen, der mit einem auf derselben Wellenlänge war,zeitnah kommen konnte und sich dann noch die Zeit nahm, um sich in unsere Probleme hineinzufühlen und diese auch selbst nachvollziehen konnte, war irgendwie nicht möglich.

So reifte der Plan, die Ausbildung selbst zu machen und damit den Beritt und den Unterricht zu unterstützen.

Gesagt – Getan

Nachdem ich im Jahr 2018 meine Ausbildung zur Pferdephysiotherapeutin abgeschlossen habe, begann ich das Training der Pferde und die Physiotherapie  miteinander zu verbinden.

Gleichzeitig folgten und folgen regelmäßige Weiterbildungen in beide Richtungen.

Sowohl das optimierte Training von Pferd und Reiter steht im Fokus meiner Fortbildungen, die sich mit

  • tensegralem Pferdetraining
  • aufbauender Arbeit am Boden und im Sattel
  • Rehatraining für Rekonvaleszenzpferde
  • physiotherapeutisches  Bewegungstraining für Pferde

befassen, als auch die Fortbildungen, die für die reine Pferdephysiotherapie notwendig waren

  • Chiropraktik
  • Cranio-Sakrale Therapie
  • Matrix-Rhytmus-Therapie
  • Soletherapie
  • Blutegel
  • Dry-Needling
  • Taping
  • Manuelle Therapie
  • Osteopathie
  • Thermografie
  • Faszientherapie

Aus der Kombination aller Möglichkeiten, die jeweils individuell auf das Pferd oder das Pferd-Reiterpaar angepasst werden, entstehen ganz neue Möglichkeiten, das Beste aus dem jeweiligen Paar zu entwickeln.

Um noch mehr Reiter als die, die im meinem Umkreis leben zu erreichen, habe ich inzwischen zwei Bücher geschrieben, die für den Pferdebesitzer eine Zusammenfassung darstellen sollen, aus den zahlreichen Möglichkeiten, die er/sie hat, um die Bewegungsfreude und Lebensqualität seines Vierbeiners zu optimieren.

 

Viele eigene Erfahrungen mit den Pferden und eigenen Unfällen prägen den Aufbau meiner Arbeit

Denn leider kann ich auch viele Probleme der Pferde aus eigener, schmerzhafter und langwieriger Erfahrung nachvollziehen

Ein zertrümmerter Knöchel im Jahr 2000 führte zu einer langen Heilungszeit und, wie es so üblich ist, nach einigen Jahren zu Arthrosen in diesem Gelenk. Nun ist es als Mensch nicht so, dass man damit auf die Rentnerweide geht. Das Berufsleben geht weiter und es muss ein Weg gefunden werden, damit umzugehen.

Gezielte bewegungstherapeutische Anwendungen, ein guter Muskelaufbau in den umliegenden Strukturen, ein ausgeklügeltes System aus Training und Ruhephasen und physikalischen Therapien sorgen dafür dass die Arthrose zwar vorhanden, aber händelbar ist.

Nach einem Reitunfall mit Brüchen in der Hals,- und Brustwirbelsäule im Jahr 2015 war ich zwar  körperlich wiederhergestellt, so sagten es jedenfalls die Röntgenbilder. Bewegen konnte ich mich aber trotzdem nicht, und vor allem nicht schmerzfrei.

Wäre ich ein Pferd gewesen, hätte ich den Stempel „austherapiert“ bekommen, oder wäre gezwungen worden, Bewegungen auszuführen, die ich definitiv nicht kann, weil ich ja den Röntgenbildern nach wieder  gesund war.

Die eigenen Erlebnisse haben ein Umdenken bei mir hervorgerufen und ich weiß, dass es das Schlimmste ist, eigentlich zu wollen, aber nicht zu können.
Nur mit dem Unterschied, dass ich es den Therapeuten sagen konnte und mir geglaubt wurde.
Einem Pferd wird oft Unwillen vorgeworfen, weil wir ja keine Erklärung für sein Verhalten haben und die Folgen sind dann für das Pferd oft unerträglich.

Gut, dass ich selbst nie aufgehört hatte zu kämpfen, denn ich wollte nicht aufs Abstellgleis geschoben werden und unbedingt wieder (in meinem Job) arbeiten. So bin ich  bei der Matrix-Rhythmus-Therapie im Institut Dr.Randolls gelandet.
Mein Verdacht, dass meine Probleme, die ja eindeutig nicht knöchern waren, sondern rein aus der  myofaszialen Dysfunktion entstanden sind und so zu immensen Fehlhaltungen und den daraus resultierenden Schmerzen führten, wurde hier bestätigt.

Nach mehreren Behandlung von Eva Büchel und Dr. Randoll war ich schmerzfrei und im Rahmen meiner verbleibenden Möglichkeiten beweglich und kann das mit gezielten Training und regelmäßigen Matrix-Rhythmus-Behandlungen bis heute erhalten und ständig weiter verbessern.

Funfact:

Beim Anschauen meines Rücken-CT`s direkt nach dem Unfall fragten mich die Ärtze, wie viele Bandscheibenvorfälle ich denn in meinem Leben schon gehabt hätte.

Verwundert, weil ich tatsächlich noch nie mit Rückenproblemen irgendeiner Art zu tun hatte, antwortete ich: ” Gar keinen, wie kommen Sie darauf?” Der Arzt meinte, meine Bilder zeigen hochgradige  Verschleißerscheinungen, mit denen andere Leute schon längst nicht mehr arbeitsfähig wären, schon gleich gar nicht in  meinem Beruf.

Das zeigt aber nur wieder: Selbst, wenn ein Körper durch seine Genetik, oder die Leistung, die er schon bringen musste, schon sehr belastet ist, ist es oft möglich, durch eine leistungsfähige  Muskulatur, ein stabiles und trainiertes Fasziensystem, welches sich durch ein gezieltes Bewegungsmanagment entwickelt,  auch mit “schlechten Befunden” gute Leistungen bringen zu können, und dies auch schmerzfrei.

In diesem Sinne lebe ich den Grundsatz: Leben ist Bewegung nicht nur an den Pferden, sondern auch an mir selbst. Selbstverständlich immer mit dem Blick auf das, was möglich ist und dem gewissen Gefühl dafür, wann es nicht mehr möglich ist und das Management angepasst werden muss.

Erfahrungen mit den Pferden:

Inzwischen gingen sehr viele Pferde durch meine Hände.

Dadurch wurde und werde ich dauerhaft mit den vielfältigsten Problemen konfrontiert und beschäftige mich  mit jedem einzelnen intensiv.

Was immer wieder auffällt, ist, dass sich im Laufe der Jahre mit der fortschreitenden Pferdezucht die Probleamtiken verändert haben.

Waren die Pferde noch vor 20 Jahren sehr stabil  und über viel Boden stehend gebaut, gab es hier eher die Probleme, diese beweglicher, feiner und reaktiver zu machen.

Verletzungen entstanden oft daraus, dass die Pferde nicht elastisch genug waren und so Dysfunktionen im Körper zu Verschleißerscheinungen führten, da die Muskulatur oft die Kräfte nicht genug abfangen konnte und direkt in die Gliedmaßen weiterleitete.

Diese Pferde brauchten oft eine lange Warmreitzeit, und es war oft das erklärte Ziel einer Reitstunde ein Pferd locker zu reiten.

Die heutigen Pferde sind sehr viel feiner geworden.

Sie bewegen sich mit einer Elastizität, die beeindruckend ist.  Allerdings darf man sich davon nicht blenden lassen, denn genau diese Feinheit der Pferde bringt andere Probleme mit sich, als wir sie vor 20 Jahren hatten.

Die feinen, teilweise überbeweglichen Pferde müssen in jungen Jahren noch besser geritten und somit körperlich stabilisiert werden, um den Anforderungen als Reitpferd gerecht zu werden.

Das passt im Umkehrschluss natürlich nicht zu unserer Zeit, in der alles genau andersrum läuft, als früher. Es soll alles schneller gehen, Zeit ist Geld und eine vernünftige Remontenausbildung, wie ich sie noch gelernt habe, wird selten ausgeführt. Damit sind die Probleme vorprogrammiert. Die Pferde brauchen eigentlich noch länger, als die früheren Modelle, die Zeit wird aber eher verkürzt, in denen sie reifen dürften. Es ist eigentlich logisch, dass dieses System nicht funktionieren kann.

Die hochsensiblen Pferdekörper lassen nicht mehr so viel Spielraum zu, wenn es um die schnelle Leistung geht. Diese Pferde sind wahrscheinlich um einiges leistungsfähiger, als unsere alten Haudegen, aber ohne gutes Management und eine grundsteinlegende Basisausbildung können wir diese Leistungsfähigkeit leider nicht abrufen, da die Pferde gesundheitlich oft nicht bis in die Leistungsklassen kommen, die sie eigentlich gehen können sollten.

 

So finden sich immer mehr junge Pferde mit immensen körperlichen und daraus resultierend auch phsychischen Themen, die oft mit dem Satz: “Ich weiss gar nicht, warum der ständig krank ist” , oder “das ist halt ein Phsycho” abgetan werden.

Aus diesem Grund halte ich die Zusammenarbeit aus physiotherapeutischem Bewegungstraining, Schulung der Reiter in Theorie und Praxis und das Zusammenführen der Paare für noch notwendiger, als es schon seit jeher war.

Jedes Paar bringt seine eigenen Baustellen mit, die man bestmöglich miteinander kombinieren muss, um eine gutes Gesamtbild daraus zu formen und somit ein gesunderhaltendes Training für beide zu erreichen.

Mein Ziel ist es so viele Pferde wie möglich in ihrem Werdegang zu unterstützen, die Besitzer für die Bedürfnisse zu sensibilisieren und mir ein gutes Netzwerk aus Reitlehrern, Bereitern, Hufschmieden, Tierärzten und Sattlern aufzubauen, denn nur im gemeinsamen Konsens miteinander werden wir das Beste für die Pferde und ihre Besitzer herausholen können. Nur im Netzwerk werden wir gemeinsam gute Ergebnisse erzählen, da jeder einzelne von uns nur ein kleines Puzzelteil im Leben seines Pferdes ist.

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