Dieses Thema lag mir heute am Herzen.

Mal zu erklären, warum ich mich für welche Anwendung entscheide.

Denn, wer so über meine Homepage scrollt, merkt, dass es das ein relativ großes Angebot gibt, und verliert vielleicht schnell den Überblick.

Ich finde es für einen Therapeuten wichtig breit aufgestellt zu sein.  Auch bei mir werden im Verlauf dieses Jahres noch weitere Angebote hinzukommen, die ich je nach Indikation anwenden kann.

Das ist gut so, denn jedes Pferd ist anders, hat andere Baustellen und so kann ich frei wählen, was ich für die beste Anwendung halte.

Trotzdem komme ich beim ersten Termin bei einem Pferd ohne großes Zubehör an.

In meiner Tasche stecken immer Akupunkturnadeln, und der Bemer rundet die Anwendung ab, aber ansonsten benütze ich beim ersten Termin meist nur die Hände.

Die reichen nämlich in der Regel aus, um sich erst mal einen Überblick zu verschaffen.

Wie fühlt sich das Pferd an, wie reagiert es auf welche Testgriffe, wie reagiert es während der Behandlung, wie verarbeitet es die Behandlung in den Tagen und Wochen danach?

Das ist der erste Schritt, den es herauszufinden gilt.

Denn: Jedes Pferd reagiert anders auf physiotherapeutische Behandlungen und ich für meinen Teil bemühe mich, die erste Behandlung nicht länger als 1 – 1,5 Stunden dauern zu lassen, und wenig Hilfsmittel zu benützen, da die Pferde damit oft mal überfordert sind.

Lieber wende ich nur einige Muskel,- und Gelenkstechniken an und warte ab, wie das Pferd darauf reagiert. Ein Pferd das  noch nie physiotherapeutisch behandelt wurde, hat damit mehr zu schaffen, als man denkt.

Die Massagetechniken bringen dem Pferd ein teilweise völlig verändertes Körpergefühl. Viele Spannungen,die das Pferd über ein lange Zeit aufgebaut hat, sind ja auch Schutzspannungen, mit dem es andere Problem verdeckt.

So in der Art, wenn ich Schmerzen am Fuß habe, belaste ich ihn einfach anders, dann geht das schon.

Ja, geht schon, aber eben nicht auf Dauer. Dann sind andere Strukturen überlastet und leiden. So zieht sich das dann wie eine roter Faden durch und woher das ursprüngliche Problem kam ist oft nicht nachzuvollziehen.

Deshalb kann es durchaus auch passieren, dass das Pferd, das zum ersten Mal eine Behandlung bekommt, danach erst mal schlechter läuft.

Es wird praktisch reseted, die Muskulatur wird rundum gelockert, auch Schutzspannungen.

Das hört sich erst mal ungeschickt an. Wieso lässt man ihn nicht einfach, wenn es denn funktoniert so laufen wie er läuft.

Ganz einfach, weil die Problematik kommen wird. Früher oder später. Kompensationshaltungen können nie dauerhaft Läsionen verhindern. Und je mehr verdeckte Läsionen sich entwickeln, desto schlimmer wird es.

Aus diesem Grund wird auch immer empfohlen, dem Pferd nach der Behandlung Zeit zu geben. Wieviel Zeit ist unterschiedlich. Das entscheidet das Pferd und das Gefühl der betreuenden Person und des Therapeuten.

Das kann auch keiner vorher sagen.

Aus diesem Grund ist es auch wichtig die erste Behandlung nicht durchzuführen, wenn man etwas bestimmtes vor hat, wie z.B. ein Turnier. Man sollte rund um die erste Behandlung ein Zeitfenster von rund zwei Wochen haben, in dem man keinen Stress hat.  Dann kann sich die Bahandlung setzen, oft merkt man auch erst nach ein bis zwei Wochen einen Unterschied, nämlich dann, wenn sich das Pferd in seine neuen oder wiedererlangten Bewegungsmöglichkeiten eingefunden hat und daran glaubt, dass es  damit umgehen kann.

Meistens stehen nach der ersten Behandlung weitere Behandlungen an.

In welchem Zeitfenster die stattfinden ist ebenfalls individuell.

Wenn ich bei einem Pferd bin, das noch nie physiotherapeutisch oder osteophatisch behandelt wurde, behandle ich was sinnvoll ist, und schaue es mir gerne nach 2-4 Wochen nochmal an. Mehrere kleine Behandlungen hintereinander sind hier deutlich wirkungsvoller als einmal alles anzuwenden, was das Therapeutenköfferchen hergibt.

So kann man sich langsam durch oberflächliche Strukturen arbeiten, dem Pferd Zeit geben damit umzugehen und sich von Behandlung zu Behandlung in die tiefere Strukturen arbeiten.  Damti gibt man dem Pferd die Chance die Behandlung auch zu verarbeiten.

Mit der Anzahl der Behandlungen verändert sich auch die Technik, die angewendet wird, wobei ich nie viele Techniken untereinander mische, auch, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte.

Es ist sinnvoll sich für ein oder zwei Techniken zu entscheiden, die an diesem Tag am Sinnvollsten erscheinen.

Anfangs denken meine Kunden oft, sie werden mich nie mehr los. 😉 Aber schnell merken sie, dass man am Anfang oft mehrere Behandlungen hintereinander braucht, die Erfolge der Behandlungen aber immer langanhaltender sind, da das Pferd ja zwischen den Behandlungen auch trainiert wird, und dadurch bessere Muskulatur aufbaut und “falsche Muskulatur” reduziert wird.

Wie wir von uns selbst kennen, kommen Verspannungen häufig nach ein paar Tagen wieder, das ist auch beim Pferd so. Erst, wenn man es geschafft hat die Verspannung zu lösen und dann das Pferd sinnvoll zu trainieren, kann sich die Muskulatur so regenerieren, dass der Tonus auch dauerhaft gut bleibt. Am Anfang wird das Pferd immer erstmal wieder in die Verspannung zurückfallen. Je öfter man diese löst, desto sinnvoller wird das Training, da man ja einen  verspannten Muskel nicht zu einem arbeitsfähigen Muskel trainieren kann.

Arbeit an der Doppellonge

Übrigens entstehen auch Gelenk,- oder Wirbelblockaden aus verspannten Muskeln, da diese ja diejenigen sind, die die Gelenke bewegen. Ein Gelenk ohne Muskel kann nämlich nichts. Aber ein verspannter Muskel kann ein Gelenk blockieren, so dass es zu einem Schaden kommt.

Bei den meisten Pferden, die Probleme haben,  reichen 2-4 Behandlungen hintereinander aus, der Reiter wird schnell merken, dass die Abstände zwischen denen er das Gefühl hat, der Therapeut müsste mal wieder kommen, länger werden und irgendwann, wenn das Pferd optimal eingestellt ist, reicht es im Normalfall aus, regelmäßig drüber zu schauen, Läsionen  zu lösen, bevor sie sich verfestigen und damit das Verletzungsrisiko zu minimieren und das Pferd leistungsfähig zu halten.

Wenn das Pferd gut eingestellt ist, und die Behandlungen gewöhnt ist – optimalerweise macht auch der Besitzer regelmäßig die angegebenen Übungen- dann kann das Pferd meist ganz normal weitergeritten werden, so dass man die Behandlungen z.B. auch in der Turniersaison machen kann, ohne dass das Pferd danach zwei Wochen braucht.

Während der Saison macht es z.B. Sinn nach einem anstrengenden Turnier gleich mal drüberzuschauen, um das Pferd optimal auf die nächste Leistung vorzubereiten. Bei einem trainierten Pferd ist das gut möglich und man kann z.B. auch gut unterstützend arbeiten, vor allem, weil wir ja komplett Dopingfrei arbeiten.

 

 

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