Auf meinen Instagrambeitrag zur Schweifschiefhaltung eines Pferdes, kamen unheimlich viele Anfragen, wie man denn an der Schiefe des Pferdes arbeiten kann. Das in einem Beitrag zu beantworten wäre unmöglich gewesen und auch in einem Blogbeitrag werde ich nur einige Beispiele nennen können, die ich euch als Vorschlag aus meiner eigenen Praxis an die Hand geben kann.

Schweifschiefhaltung Pferd

Wenn ihr tiefer in das Thema eintauchen wollt, kann ich euch nur an die  Fachliteratur verweisen, da so ein komplexes Thema tatsächlich nicht in einem Blogbeitrag zu bearbeiten ist, bzw. die beste Möglichkeit ist natürlich das alles mit eurem Trainer, da dieser dann auch gleich sieht, ob die Ausführung denn richtig ist.

Wobei wir gleich mal bei der ersten Problematik sind, nämlich, wie man wirklich sicher fühlt, ob man die Übungen korrekt ausführt, denn nur dann helfen sie auch. Falsch ausgeführt schaden sie mehr, als sie nützen.

Deshalb wäre schonmal bei geritten ausgeführten Übungen entweder ein Trainier, der von  unten korrigiert, ein Spiegel in der Reithalle oder auch eine Videoaufnahme sinnvoll, damit man das später anschauen und die Fehlerquellen finden kann.

Ich möchte euch heute ein paar Übungen vorstellen, erstmal Sachen, die ihr schon beim Putzen machen könnt, dann Übungen beim Reiten. Die Bodenarbeit lasse ich hier mal weg, das ist auch eine gute Möglichkeit, würde den Rahmen aber hier absolut sprengen.

Beginnen wir mal beim Putzen des Pferdes.

Hier könnt ihr schonmal die erste Beobachtung anstellen. Nämlich, wie sich euer Pferd überhaupt hin stellt.

Und zwar nicht, wenn ihr es so hin stellt, wie ihr wollt, sondern wie sich euer Pferd von sich aus aufstellen würde.

Steht es breitbeinig, oder stellt es die Hinterbeine, oder immer ein Hinterbein nach vorne oder hinten raus?

Ist es immer dasselbe Hinterbein oder wechselt es?

Wie steht die Vorhand?

Steht euer Pferd insgesamt im Gleichgewicht oder versucht es sich irgendwie zu schonen?

Drückt es den Rücken weg?

Schaut euer Pferd von vorne, von der Seite und von hinten an, und überlegt, was euch dabei auffällt?

Hält das Pferd schon in Ruhestellung den Schweif schief, oder nur beim Reiten?

Ist das Pferd eher nervös oder entspannt?

Hat das Pferd grundlegende Exterieurprobleme die vielleicht zu der ein oder anderen Fehlstellung führen?

All das sind vermeintliche Kleinigkeiten, die es zu beobachten gilt, wenn man daran arbeiten will.

Das heißt jetzt nicht, dass alles, was außerhalb der Norm ist gleich schlecht ist, schließlich ist jedes Pferd anders.

Das heißt jetzt erstmal nur, dass ihr euer Pferd für sich genau anschauen sollt, um überhaupt mal zu erkennen, wie das denn bei diesem speziellen Exemplar so ist.

Das macht ihr mal über einen längeren Zeitraum hinweg, und schaut, ob das immer gleich ist, oder sich verändert.

Nur durch solche genauen Beobachtungen seid ihr in der Lage etwas zu verbessern und zu wissen, ob ihr an etwas arbeiten müsst und vor allem wie.

Auch ein Physiotherapeut oder Reitlehrer wird sehr dankbar sein, wenn ihr ihm schon einige Sachen sagen könnt, der er/sie das Pferd ja nur “jetzt im Moment” sieht und nicht beurteilen kann, ob das immer gleich ist.

Beim Putzen arbeite ich ja schonmal gerne mit den Balancepads.

Balancepads sind kleine, feste (Schaumstoff?)kissen, die ganz leicht nachgeben, wenn das Pferd drauf steht.

Ihr könnt euch ja mal selbst draufstellen und fühlen.Mal mit beide Beinen, mal mit einem.

Durch das Stehen auf diesen Kissen ( die es in verschiedenen Stärken und Härtegraden gibt)  kommen kleine Bewegungen ins Pferd. Das ist ja unter drunter jetzt ein kleines bisschen wackelig.

Naturgemäß steht das Pferd ja nie ganz still, sondern bewegt mal seinen Hals oder andere Körperteile und das kommt natürlich als Bewegung da an, wo das Pferd auf den Kissen steht. Wenn es stehen bleibt, was die meisten nach ein bisschen Eingewöhnungszeit tun, dann könnt ihr sehen, wie es  in der kleinen Muskulatur arbeitet.

Mini-Bewegung passieren da mit denen sich das Pferd auf dem wackeligen Untergrund ausbalanciert.

Aber eine Bewegung bleibt ja nie nur das wo man sie gerade sieht.

Das ganze Pferd ist ja durch Faszien, Muskeln, Bänder, Sehnen, Knochen usw. miteinander vernetzt.

Ausstrahlung Dry Needling

Das heißt, eine Minibewegung, die ihr z.B. im linken Vorderbein sehen könnt, geht über die Muskel,- Faszienketten weiter in den Schulterbereich, von dort aus weiter in den Halsbereich und auch in den Rücken usw.

Das hießt also alleine durch das Stehen auf den Pads habt ihr schon Bewegung ins Pferd gebracht, bzw. die Bewegung die da ist noch verstärkt und so schon einige Muskeln aktiviert, die ihr einfach nur beim Stehen auf harten Boden nicht aktiviert hättet.

Eine gute Sache also, für die man nicht viel Aufwand treiben muss.

Ganz nebenbei: Die Schulung von Koordination und Balance hat noch keinem Pferd geschadet.

Die Anwendung der Pads ( ich benütze übrigens immer dieselbe Stärke, weil ich gar keine Lagermöglichkeiten für mehr hätte) ist vielfältig.

Man kann ein oder beide Vorderbeine draufstellen, ein oder beide Hinterbeine, diagonal oder alle vier. Probiert einfach aus, was euch und euerem Pferd am Besten liegt.

Beginnt immer mit dem, was einfach geht und arbeitet euch Schritt für Schritt zum Schwierigeren hin.

Wie lange ein Pferd auf den Pads steht ist individuell. Je nach Typ. Die einen bleiben gefühlte Ewigkeiten drauf stehen und wollen gar nicht mehr runter, die anderen sind ungeduldig und stehen nur kurz drauf.

Egal. Schaut einfach, wie es am Besten geht. Jede auch noch so kleine Übung ist besser als keine Übung.

Weiter geht es dann beim Reiten

Hier bemühe ich mich schonmal beim Warmreiten unterschiedliche Böden zu nützen. Ein Pferd, das immer nur auf top ebenem Boden geht und nie irgendwie mal etwas ausbalancieren muss, wird irgendwann die angeborene Fähigkeit dafür verlieren und kann es dann tatsächlich nicht mehr.

Die einfachste Übung ein Pferd in seiner Balance zu schulen und mit mehr Balance natürlich die Geraderichtung und Selbstwahrnehmung zu fördern ist das Reiten draußen. Bergauf, Bergab. Verschiedene Böden. Meidet nicht unbedingt Wiesenwege, sondern nützt sie für euch. Verschiedene Untergründe wie Kiesböden, Wiesenböden, Asphalt, Rindenmulch und alles, was die Natur anbietet geben dem Pferd die Möglichkeit, sich selbst zu schulen und zu koordinieren.

Auf dem Reitplatz angekommen gibt es natürlich weiter Möglichkeiten.

Am wichtigsten ist erstmal seinen eigenen Sinn für das Geradeaus laufen des Pferdes zu schulen,  um überhaupt zu merken ob es schief ist. Wichtig ist natürlich auch die Kontrolle, ob man als Reiter selbst schief ist und es damit dem Pferd unmöglich macht, gerade zu gehen. Fühlt mal in euch rein. Fühlt, ob ihr beide Gesäßknochen gleich stark fühlt. Fühlt ob ihr gleich viel Druck in den Bügeln habt. Fühlt weiter in eure Hüfte und in euren Oberkörper. Schaut ohne euch zu verspannen geradeaus und nicht nach unten und schon gleich gar nicht links oder rechts am Pferd vorbei nach unten. Bleibt positv angespannt dabei ohne euch zu verspannen. Bewegt euren Kopf , dreht ihn mal rechts und links und fühlt dabei, was euer Körper macht. Reitet am hingegebenen Zügel und schaut, ob euer Pferd dabei geradeaus laufen kann oder ob ihr das kontrollieren müsst.

Hierfür sind ein Trainer, eine Foto,-oder Videokorrektur oder ein Spiegel super hilfreich.

Schon in der Lösungsphase könnt ihr das Geradeauslaufen überprüfen.

Geht einfach Ganze Bahn auf den zweiten oder dritten Hufschlag.

Orientiert euch an der Bande, ob ihr, ohne euch anzustrengen von Beginn bis zum Ende der langen Seite gleichweit weg wart vom Hufschlag, oder ob ihr entweder immer weiter nach innen oder nach außen driftet, oder das Ganze gar einer Schlangenlinie gleicht.

Wenn das easy geht, macht dassselbe mal mit beiden Zügeln in einer Hand. Beide gleichlang natürlich. Geht das immer noch gut? Dann seid ihr schon auf einem guten Weg.

Nach der ganzen Bahn geht es in die Wendungen

Achtet mal, wenn ihr auf dem Zirkel reitet darauf, ob der wirklich zuverlässig rund ist oder eher einem Vieleck gleicht.

Probiert mal den Zirkel ohne Innenstellung zu reiten. Das hilft dabei, die Pferde besser an den äusseren Hilfen zu haben.

Kommt ihr immer noch gut rum? Dann ist prima

Als nächste Stufe reitet ihr mal in Innenstellung und streicht über. Auch hierbei sollte das Pferd die Linie nicht verlassen, vorausgesetzt, ihr habt es an den Schenkel-, und Gewichtshilfen.

Achtet beim Reiten einer Schlangenlinie darauf, ob das Pferd in der Linie bleibt, ober eventuell  hinter euch ausweicht. Wenn ihr das Gefühl habt, ihr werdet von der Hinterhand innen oder aussen überholt, dann stimmt was nicht.

Geraderichten auf gebogener Linie  heißt ja, das Pferd fußt entsprechend der Linie mit der Hinterhand in die Spur der Vorhand, hat also die Längsbiegung, die die Wendung vorgibt.

Stellt euch eure Wendung als gedachte Linie auf dem Reitboden vor. Nehmt nun die Wirbelsäule des Pferdes auch als gedachte Linie, also die Mittellinie eures Pferdes von Kopf bis Schweif und denkt daran, dass sich diese beiden Linien decken sollen.

Daraus resultiert auch, dass ihr den Hals des Pferdes nicht mehr abstellt, als die Linie gebogen ist, denn sonst schwenkt automatisch die Hinterhand nach aussen.

Ich habe mal versucht euch das mit meinen nicht vorhandenen Zeichenkünsten aufzuzeichnen.

Vom Prinzip seht ihr.  Die Übungen zum Geraderichten des Pferdes sind kein Hexenwerk. Das reitet ihr jeden Tag. Ihr müsst eben nur darauf achten, solche Sachen, wie ein Zirkel, eine lange Seite geradeaus, eine Schlangenlinie usw. wirklich korrekt zu reiten.

Natürlich kommt jeder von euch auf einem Zirkel rum, aber hinterfragt mal ganz klar, ob das auch wirklich ein guter Zirkel war, oder ob ihr da vielleicht etwas schummeln musstet.

Wenn ihr das alles im Griff habt, geht es natürlich weiter.

Auch im Galopp nützt ihr immer wieder den zweiten Hufschlag. Weg von der Wand. Die Anlehnung nicht an der Wand sondern am äusseren Schenkel und am äusseren Zügel suchen ist der Weg.

Ihr werdet schnell merken, das wird nochmal schwerer als im Trab. Wenn ihr nämlich mehr an den äusseren Zügel rangeht und vorher vielleicht immer zuviel Innenstellung hattet, wird euer Pferd versuchen umzuspringen oder wird ausfallen. Das heißt. Üben, üben, üben. Und das alles mit Gefühl und Geduld. Ein Pferd, dass schon lange Zeit schief galoppiert wird nicht innerhalb von zwei langen Seiten geradeaus galoppieren. Das dauert. Überprüft dabei auch gleich euren Sitz. Bleibt gerade, knickt nicht in der Hüfte ein, sonst geht es nicht.

Wenn ihr das Geradeausreiten intus habt, wird es auch kein Problem sein überall anzugaloppieren.

Mitte der langen Seite im Hand, – oder im Außengalopp.

Auf der Mittellinie wahlweise im Rechts,-oder Linksgalopp und danach geht es geradeaus weiter.

Das sind nur Beispiele mit denen ihr das Geübte abfragen könnt und wenn es noch nicht klappt. Bleibt dran.

Auch im Galopp immer wieder ein wichtige Übung ist das Überstreichen. Ihr kontrolliert damit einfach, ob ihr das Pferd am Sitz habt, oder eben doch noch mit der Hand lenken müsst.

Eine weitere Übung, die ich euch gerne an die Hand geben möchte ist das Übertreten.

Wir machen das gerne so

Ihr legt eine Zirkellinie an.

Vom Zirkelpunkt an, der auf die offenen Zirkellinie zugeht. legt ihr erst mal einen runden Zirkel an.

Wenn ihr in Richtung X kommt, bleibt das Pferd- ohne mehr gestellt zu werden- mit der Vorhand auf der Zirklellinie.

Mit dem inneren Schenkel gebt ihr der Hinterhand den Impuls seitlich zu treten. Ihr legt praktisch eine zweite nach aussen verschobene Zirkellline an. Das Pferd beginnt überzutreten. Das reitet ihr so, bis ihr am Zirkelpunkt zur geschlossenen Seite kommt und richtet das Pferd dann wieder gerade ( durch den Hufschlag passiert das fast von alleine. Das Ganze macht ihr erst im Schritt, dann trabt ihr von Zirkelpunkt zu Zirkelpunkt pariert durch zum Schritt lasst übertreten und trabt am nächten Zirkelpunkt wieder an.

Irgendwann wird es soweit sein, dass ihr es im Trab reiten könnt, dann könnt ihr den Schwierigkeitsgrad steigern. Im Trab übertreten lassen, am Zirkelpunkt angaloppieren, am Zirkelpunkt wieder Trab, wieder übertreten lassen.

Oder im Schritt übertreten lassen, am Zirkelpunkt angaloppieren, am Zirkelpunkt wieder Schritt.

Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Wichtig ist aber eben die korrekte Ausführung. Nehmt euch Zeit dafür. Glaubt nicht, dass ihr all diese Übungen an einem Tag perfekt hinbekommt. Das dauert.  Bekommt ein Gefühl für korrektes Arbeiten ohne Beschummeln. Lasst euch korrigieren.

Auch diese Übung habe ich mal versucht darzustellen, damit ihr euch besser vorstellen könnt, wie ich es meine.

Mit dieser Übung beende ich den Beitrag für heute erst mal. Natürlich gibt es noch viele weitere Übungen, die beim Geraderichten helfen, wenn ihr Lust habt, kann ich immer mal wieder eine hier vorstellen.

Im Grunde genommen ist hier glaube ich eins klar geworden.

Ein gerades Pferd entsteht durch korrektes Training. Das gibt es nichts zu rütteln. Ich als Reitlehrer und Pferdephysio kann euch dabei unterstützen, aber machen müsst ihr es selbst. Immer und immer wieder. Korrektes Reiten ohne beschummeln ist einfach das A und O. Das beachten von vermeintlichen Kleinigekeiten ( ich kann doch wohl einen Zirkel reiten) ist unabdingbar. Weil Zirkel ist nicht gleich Zirkel.

Alles kein Hexenwerk also, sondern korrekte Basisarbeit und ein bisschen Konzentration beim Reiten, regelmäßiges Training und Geduld. Dann klappt das.

 

1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Super Hilfe! Das habe ich gesucht. Jemand, der mit Herz und Hirn reiten vermittelt. Schade, dass Sie nicht in der Nähe sind. Aber ich werde weiter hier vorbei schauen! Danke!!!!

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