Habt ihr den ersten Teil gelesen?

Da ging es um die Halswirbelsäule des Pferdes.

Wichtig ist es, alle Teile, die nach und nach folgen werden zu lesen, damit sich das alles zu einem Ganzen zusammenfügt.

In Teil 2 geht es um die Brustwirbelsäule, also praktisch den Rücken des Pferdes.

Ich musste immer lachen, als es um meine eigenen Wirbel ging.  Die Leute haben mich immer gefragt, was ich mir denn gebrochen hätte. Meine Antwort war: Den 7. Halswirbel, den konnte jeder noch irgendwo einordnen. Als ich dann aber weiterfuhr mit dem 3.,4. und 5. Brustwirbel, begann immer jeder zu denken. 😉

Ach so, du hattest es gar nicht im Rücken, war oft die Antwort. 😉

Und da sieht man, dass wir alle denken, wir wüssten viel, aber wenn wir es mal richtig überlegen, dann sind da doch noch Lücken, denn die Vorstellung ging ja dahin, dass ich eine Rückenwirbelsäule habe, die hinten liegt und eine Brustwirbelsäule vorne. Nein, natürlich nicht. Das ist ein und dasselbe und es gibt nur eine Wirbelsäule.

Also kurz gesagt, die Brustwirbelsäule und die im Sprachgebrauch häufigen Rückenwirbel sind dieselben Wirbel.

Und die sieht man dann beim Pferd hier in blau.

Also sie liegen logisch gesehen am Rücken, heißen aber Brustwirbel. Nur mal so am Rande.

Und noch was so ganz nebenbei.

Legt bitte meine Zeichenkenntnisse nicht auf die Goldwaage. Ich versuche, euch das auf ein Papier zu zeichnen, kann dabei nicht, wie am lebendigen Pferd fühlen, wo genau die Wirbel und Rippen entlanglaufen, deshalb ist das eher anschaulich gemeint und sicherlich nicht 100%  perfekt. Aber dadurch, dass ich selbst male, verletze ich keine Copyrights von ferigen Zeichnungen, von Menschen, die das sicherlich besser können als ich.

 

Nun verbindet sich also irgendwo die Halswirbelsäule mit der Brustwirbelsäule.

Diesen Übergang nennt man Cervico-Thorakaler Übergang.

Den kann man nicht sehen oder fühlen, der liegt nämlich zwischen den Schultern.

Ich habe das mal grob schematisch dargestellt, damit man sich ungefähr vorstellen kann, wo sich das verbindet, nämlich hinter dem Schulterblatt.

Hier verbindet sich nun also die Halswirbelsäule (C) mit der Brustwirbelsäule ( TH).

Nachdem die Halswirbelsäule ja der beweglichste Teil der Pferdewirbelsäule war, kommt jetzt der Teil, der wenig beweglich ist.

Denn an den Brustwirbeln setzen ja die Rippen an. Dadurch haben wir einen sehr stabilen Körper, der dafür da ist, vor allem die Organe wie Herz und Lunge zu schützen.

Hier sieht man schon den Übergang vom Wirbelkörper zum Dornfortsatz, als auch zur Rippe mit den Zwischenwirbellöchern für die Nerevenaustritte und einen Teil des Schulterblattes, der hier natürlich keinen Knorpel mehr hat.

 

Die von den ersten 8 Brustwirbeln ausgehenden Rippen, die sogenannten “echten” Rippen sind unten fest mit dem Brustbein verbunden. Die weiteren 18 Rippen, die sogenannten Atmungsrippen sind nur untereinander knorpelig verbunden und lassen somit eine deutlich größere Bewegung zu, die für die Ein,- und Ausatmung notwendig ist.

Hier schauen wir von hinten nach vorne in das Pferd und sehen unten die Verbindung der echten Rippen zum Brustbein. Oben sehen wir von unten gesehen die Wirbelkörper der BWS.

Bleiben wir aber wieder an der oberen Linie

Die Brustwirbel haben unterschiedlich lange Dornfortsätze.

Wie auf dem schematischen Bild ( ganz oben bei Ginny) zu sehen ist, sind die ersten noch recht kurz und werden im Verlauf langsam länger. Die ersten liegen wieder hinter dem Schulterblatt und sind nicht fühlbar.

Je nach Pferd können wir die Spitzen der Dornfortsätze ab dem 3. oder 4. Dornfortsatz fühlen.

Denn da fühlen wir im Hals-Rückenübergang den Widerrist des Pferdes, der sich ca. aus dem 3.-10. Dornfortsatz aufbaut.

Der längste Dornfortsatz mit einer Länge von bis zu 15 cm ist meist der des 5. Brustwirbels.

Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr, dass die Dornfortsätze ihre Richtung ändern.

Die ersten sind noch realtiv deutlich nach hinten geneigt. Auch dass die im Verlauf der Wirbelsäule kürzer werden kann man hoffentlich ganz gut erkennen.

Eine Besonderheit, ist, dass die Dornfortsätze der Wirbel 14-16 die Richtung ändern, und nahezu senkrecht stehen, bevor es mit den DFS der Wirbel 16,17 und 18 weitergeht, die nach vorne zeigen.

Und hier liegt die Schwachstelle der Konstruktion.

Wenn wir jetzt bedenken, dass unten an den Wirbel die kompletten inneren Organe aufgehängt sind — denn die schweben ja nicht frei im Körper — und überelegen, welches Gewicht diese haben, dann wissen wir schonmal, dass es einen enormen Zug auf die Wirbelsäule nach unten geben  muss.

Und was passiert, wenn die Wirbelsäule nach unten gezogen wird?

Die Dornfortsatzspitzen der zueinander zeigenden Wirbel nähern sich an, im schlechtesten Fall berühren sie sich sogar.

Wir denken weiter.

Das ist ja schon Belastung genug – eigentlich –  aber jetzt kommen wir und legen noch einen Sattel drauf und platzieren nochmal 50-100 kg Gewicht von oben drauf.

Ihr versteht? Nun muss die Wirbelsäule doppelt arbeiten.

Einerseits ziehen die Organe von unten und andererseits drückt der Reiter von oben.

Kissing Spines sind also nahezu vorprogrammiert.

Wenn man nichts tut.

Und genau das ist der Grund, warum man ein Pferd trainieren muss, wenn man es als Reitpferd nützen will.

Und zwar trainieren wir nicht nur die Rückenmuskulatur, die man sieht, das Training um die Rumpfkonstruktion zu einer tragfähigen Konstruktion zu machen ist sehr komplex.

Denn es gibt ja nicht nur “den einen” Rückenmuskel, der das ganze Halten muss.

Ein Muskel hat ja immer einen Gegenspieler, das heißt einen Muskel mit dem er zusammenarbeitet.

Und das ist die Bauchmuskulatur.

Diese ist unheimlich wichtig und muss beim Pferd unbedingt trainiert werden, da sie der Rückenmuskulatur hilft, das Gewicht der inneren Organe zu tragen und dafür sorgt, dass das ganze System eben nicht durchhängt.

Und nicht nur das

Einerseits helfen  sich natürlich Bauch,- und Rückenmuskulatur gegenseitig, dann gibt es aber auch noch die tiefe Muskulatur.

Das heisst, das Pferd ist in mehreren Schichten von innen nach aussen aufgebaut.

Tief im inneren setzen schon viele kleine Muskeln an, die unbedingt mittrainiert werden müssen um den ganzen Apparat und die weiterfolgenen äussenen Schichten zu stabilisieren. Ein bisschen das Zwiebelprinzip also.

Und da sind wir auch schon beim nächsten wichtigen Thema, wenn es um die Brustwirbelsäule in Verbindung mit dem Reiten geht.

Der Sattel

Wenn ihr jetzt das Bild vor Augen habt, wie die Wirbelsäule aufgebaut ist, wie die Rippen anschliessen, wo die Rippen stabiler (echte Rippen) oder instabiler ( Atmungsrippen) sind und wo sich die Richtung der Dornfortsätze ändert, dann wird ganz schnell logisch, wie der Sattel auf dem Pferd liegen muss.

Nämlich auf gar keinen Fall zu weit hinten.

Grundsätzlich versuchen wir immer den Schwerpunkt des Sattels zum 12. Brustwirbel zu bringen.

Schwerpunkt heißt der tiefste Punkt des Sattels unter Berücksichtigung, dass er im Gleichgewicht liegt.

Er darf weder vorne auf den Widerrist drücken, denn die bis zu 15cm langen Dornfortsätze wirken wie ein langer Hebel und beeinflussen wiederum die Beweglichkeit der Wirbelkörper. Sind die durch einen klemmenden Sattel blockiert, wird sich euer Pferd nicht mehr biegen wollen und können, den sie Wirbelsäule kann keine Seitneigung und keine Rotation mehr ausführen, wenn der Hebel oben festgehalten wird.

Genauso wenig darf er hinten nach unten hängen, denn dann kommt der Schwerpunkt des Reitergewichtes zu sehr in Richtung der weniger tragfähigen Richtung der Wirbelsäule und das Pferd wird den Rücken absenken. Eine Absenkung des Rücken führt unweigerlich zu einer Annäherung der Dornfortsätze der Wirbelkörper 14-16 und wie schmerzhaft das für das Pferd sein muss,  könnt ihr euch selbst vorstellen.

Das ist auch ein Kreislauf, aus dem ihr nicht rauskommt.

Ein passender Sattel UND eine gut trainierte Kernmuskulatur, die in eine gut trainierte Bauch,- und Rückenmuskulatur übergeht und den Rücken überhaupt tragfähig macht, ist also unabdingbar für die Tauglichkeit eines Pferdes als Reitpferd.

Jetzt bin ich aber schon wieder abgeschweift von der Anatomie zur Muskulatur, die sich aber einen eigenen Beitrag verdient hat, weil das Thema einfach zu komplex ist.

Anatomisch gesehen verbidet sich die Brustwirbelsäule ( Th) dann mit der Lendenwirbelsäule ( L) und dann weiterführend mit dem Kreuzbein hier auf dem Bild dann in grün bzw. gelb dargestellt.

 

Dieser Bereich wird der nächste Teil werden, der wahrscheinlich noch diese Woche kommen wird.

Bis dahin wünsche ich euch erst mal viel Spaß, aber auch viel Nachdenken mit den ersten beiden Teilen.

Denkt immer dran. Ich bemühe mich, dass alles recht einfach und verständlich darzustellen.

Wenn ihr trotzdem Fragen dazu habt, schreibt mir gerne eine mail, ich werde sie euch, soweit möglich beantworten.

 

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